Autobahn-Kapellen sind oftmals die Stiefkinder der hektischen Verkehrswelt. Meist rauscht die mobile Welt achtlos an ihnen vorbei. Dennoch erfreuen sie sich, von vielen eher unbemerkt, großer Beliebtheit, insbesondere, wenn sie im Einzugsbereich von Autobahn-Raststätten liegen. So berichten Insider, dass zum Beispiel die 30 Jahre alte Autobahnkirche „St. Christophorus“ an der A5 in Baden-Baden-Sandweier täglich von etwa zweitausend Besuchern besucht wird.
Mittlerweile gibt es 32 deutschen Autobahnkirchen und –kapellen, 15 von evangelischen, sechs von katholischen und elf ökumenisch getragene Einrichtungen. Die älteste von ihnen, die Kirche „Maria, Schutz der Reisenden“ bei Adelsried, liegt zwischen München nach Stuttgart. Sie wurde vor 50 Jahren geweiht. Besonders bemerkenswert ist übrigens, dass viele dieser Kapellen architektonische Highlights sind. Andererseits werden einige von ihnen auch für die Gemeinde-Seelsorge genutzt, wie zum Beispiel die evangelische Autobahnkapelle Exter, die zugleich Gemeindekirche ist.
Ebenso wie die St. Antonious-Kapelle in Gescher im westlichen Münsterland, die seit 1998 dank ihrer Lage an der Anschlussstelle Gescher/Coesfeld der A 31 Reisenden als Autobahnkapelle zur Verfügung steht. „St. Antonius ist darüber hinaus aber auch eine aktive Kapelle, in der jeden Sonntag eine Messe stattfindet“, erläutert Martin Elskemper, der dem Kirchenvorstand der Gemeinde angehört. „Auch für Trauungen sowie Gold- und Silberhochzeiten wird das Gebäude regelmäßig genutzt“.
Sie ist das älteste historische Bauwerk der Stadt. Das Kirchengebäude im gotischen Stil im Stadtteil Tungerloh-Capellen gilt als das „Herz von Tungerloh“. Der für die Region typische Backsteinbau wurde im 15. Jahrhundert erbaut, der älteste Teil stammt aus dem Jahr 1433 und verfügt als Saalkirche mit einem großen Veranstaltungsraum über ca. 120 Sitzplätze. Der Glockenturm wurde erst 1874 an der Westseite angebaut und ist im neugotischen Stil gehalten.
Jetzt soll ein neuer Bodenbelag aus Baumberger Sandstein inklusive einer Fußbodenheizung für ein angenehmes Klima in dem denkmalgeschützten Gebäude sorgen. Bisher wurde die Kapelle mit einer konventionellen Elektrofußbodenheizung beheizt, die laut Elskemper „unglaublich viel Energie verbraucht hat“, aber inzwischen defekt ist, also die Sanierung notwendig machte.
Ursprünglich sollte dabei allerdings gar keine Fußbodenheizung eingebaut werden. Die Renovierung war zunächst mit einem Sockelheizsystem geplant, da insgesamt nur ca. 16 cm Aufbauhöhe zur Verfügung standen. Jedoch wurde nach eingehenden Beratungen deutlich, dass eine Fußbodenheizung erstens technisch umsetzbar und zweitens deutlich energieeffizienter und komfortabler sein würde. Daraufhin haben sowohl der Kirchenvorstand als auch die Denkmalbehörde ihr Okay für die Entfernung des vorhandenen Bodens gegeben. Ersetzten sollte ihn ein moderner und Energie effizienter Keramik-Klimaboden.
Um das finanziell zu stemmen, wurde der alte Bodenaufbau von Gemeindemitgliedern in Eigenarbeit entfernt, eine, so Pfarrer Hendrik Wenning, „beeindruckende Muskelhypothek“. Die neue Bodenkonstruktion weist einige Besonderheiten auf. Zunächst wurde der Untergrund mit einer Ausgleichsmasse versehen. Im Anschluss wurde eine Abdichtungsbahn verlegt, um aufsteigende Bodenfeuchtigkeit abzuhalten. Auf dieser Bahn und einer Dämmung erfolgte schließlich der Aufbau des Klimabodens vom Typ „Bekotec-Therm“, bestehend aus Noppenplatten und darin verlegten Heizrohren.
Aufgrund der geringen zur Verfügung stehenden Aufbauhöhe kam hier ein Vorteil des Keramik-Klimabodens zum Tragen: Anders als bei konventionellen Fußbodenheizungen muss der Estrich die Noppen der Platten nur um mindestens 8 mm überdecken. So wird nicht nur viel Estrichmasse eingespart, das System ist auf diese Weise auch für Sanierungen geeignet, bei denen nur wenig Aufbauhöhe zur Verfügung steht. Und nicht zuletzt werden nur geringe Vorlauftemperaturen benötigt, um die Wärme schnell und effizient an die Oberfläche zu bringen.
An den Rändern der rund 135 m2 großen Fläche befindet sich eine etwa 20 mm breite Lücke zwischen dem alten Mauerwerk und dem Bodenaufbau, die mit einem Edelstahlwinkel abgeschlossen ist. Sie ist nicht mit der Abdichtungsbahn bedeckt und lässt den Belag sozusagen atmen, „Die Fußbodenheizung liegt quasi wie in einer Wanne“, erklärt Werner Zimmer, der mit seinem Unternehmen die Sanierung durchgeführt hat.
Um der Konstruktion eine Belüftungsmöglichkeit zu geben und eventuelle Feuchtigkeit abzuleiten, wurde die Sperrschicht nicht bis zum alten, 30 bis 40 cm dicken Gemäuer durchgezogen. So kann die Feuchtigkeit in den Raum entweichen anstatt ins Mauerwerk. Entstanden ist eine Art Schattenfuge, dank der eine ständige Diffusion stattfindet. Eine Sockelleiste aus massivem Eichenholz, die etwa 15 mm oberhalb des Bodens angebracht ist, deckt diese „Lücke“ funktional und schmuckvoll ab.
Bodenbelag aus der Region
Auf dem Heizestrich wurde eine Verbundentkopplung verklebt, die die Spannungen zwischen dem Estrich und dem Oberbelag neutralisiert. Auf ihr kann außerdem bereits weitergearbeitet werden, sobald der Estrich begehbar ist. Als Oberbelag wurde ein Natursteinbelag gewählt, der ganz aus der Nähe kommt: Der Baumberger Sandstein aus dem Natursteinwerk Dirks in Billerbeck wird in der Nähe der Münsterländer Ortschaften Havixbeck, Billerbeck und Nottuln abgebaut und wurde unter anderem auch schon im Kölner Dom verbaut. Als Bodenbelag in St. Antonius ist er rund 2 cm dick und wurde in verschiedenen Formaten im „wilden Verband“ verlegt. Die 5 mm breiten Fugen wurden mit einem Fugenmörtel aus Trasszement und Silbersand gefüllt, was Pigmentwanderungen in den stark saugenden Naturstein verhindert. Anschließend erfolgte eine zweifache Imprägnierung des Sandsteins, um ihn wasser- und ölresistent und damit so widerstandsfähig wie möglich zu machen.
Passend zum Baumberger Sandstein wurden nicht nur die Wände neu gestrichen, sondern auch Kirchenbänke ausgetauscht. Sie wurden verklebt, um nicht in den neuen Boden bohren zu müssen. Die Bänke sind wie der gesamte Innenraum im neugotischen Stil und passen so in das Gesamtbild.